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Tourismus NRW
im Interview

24.01.2022 | Bochum

Veit Lawrenz

Veit Lawrenz hat seine Leidenschaft für Hotels und Reisen zum Beruf gemacht. Der gelernte Hotelfachmann wechselte nach mehreren Jahren in der Hotelbranche, u.a. arbeitete er im Novotel in Dusiburg, zur Duisburg-Markting GmbH. Dort wurde er stellvertretender Bereichsleiter Tourismusförderung. Es hielt ihn mehr als 14 Jahre in Duisburg bevor es dann weiter auf die Landesebene zum Tourismus NRW e.V. ging. Hier kümmert sich Veit Lawrenz nun um den Business-Tourismus. Für uns an der Zeit, ihn endlich zu interviewen.

RK: Lieber Veit, du bist seit Jahren aktiv in der Vermarktung von Städten und Locations unterwegs. Seit einigen Jahren nun bei NRW-Tourismus für den Bereich Business verantwortlich. Wie kam es dazu, was reizt dich an dieser AUfgabe?

VL: Ganz genau gesagt, bin ich seit dem 01. Januar 2018 bei Tourismus NRW. Ich habe dort das EFRE Förderprojekt „Qualifizierungsoffensive: MICE-Markt der Zukunft“ als Projektleiter übernommen und war zusätzlich noch für die Produktmarke Business als Produktmanager zuständig. Im Zuge der neuen Landestourismusstrategie wurde aus dem „Produkt“ ein „Thema“ und ich wurde zum Themenmanager für Businesstourismus.

RK: Was machst du bei NRW-Tourismus im Bereich Business ganz konkret - was sind die Ziele?

VL: Meine Aufgaben sind das Führen des Expertennetzwerkes Round-Table MICE-Land Nordrhein-Westfalen, ein europaweites Trendscouting, Best-of-Suche, Verantwortlichkeit für das Landesmarketing Business inkl. des Webauftrittes www.dein-nrw.de/business und verantwortlich für den landesweiten Venue-Finder.

Zusätzlich besuche ich zahlreiche Netzwerk- und Multiplikatorenveranstaltungen, um Veranstaltungsplanende vom Tagungsstandort Nordrhein-Westfalen zu überzeugen. Eine großartige Aufgabe, in der ich völlig aufgehe, denn seit meinen ersten beruflichen Schritten widme ich mich dem Thema Hotellerie, Tagungen, Kongresse und Events. Unterstützt werde ich vor allem von großartigen Kolleg:innen, von Partnern aus dem Round-Table und des Landesmarketings.

RK: Und warum und wo vermarktet ihr die Region? Welcher Maßnahmenplan liegt dem Ganzen zugrunde?

VL: Zunächst vermarkte ich den Tagungsstandort Nordrhein-Westfalen national. Hier aber in alle möglichen Himmelsrichtungen. Ich nehme, wie eben bereits erwähnt, an Multiplikatorenveranstaltungen wie dem Illerhaus MICE Branchentreff, dem MEET GERMANY SUMMIT und nach Möglichkeit an Fachmessen wie der IMEX in Frankfurt, der Best of Events (BOE) in Dortmund und an der Internationalen Tourismus Börse (ITB) in Berlin teil. Im Rahmen des Förderprojektes „Recovery für den Tourismus im Reiseland Nordrhein-Westfalen“ wird das Thema MICE in NRW auch internationalisiert. Hier wird in ersten Schritten der bereits bestehende Content in Fremdsprachen übersetzt, bevor es dann zu einer internationalen Vermarktung des MICE-Segmentes kommt. Gleichzeitig werden Advertorials und Anzeigen in Fachmedien platziert, Scout-Touren organisiert und durchgeführt, wo sich Regionen und Locations unterschiedlichster Art in einem (Live-) Blog präsentieren können. Ein wie ich finde mehr als interessanter Job, oder?     

RK: Die MICE-Branche musste pandemiebedingt einiges aushalten. Und ohne staatliche Hilfen wäre es nicht gegangen. Wie wird es mit Events und Veranstaltungen in Zukunft weitergehen?

VL: Die perfekte Symbiose aus allem zeigte nicht umsonst, dass Nordrhein-Westfalen vor der Corona-Krise im MICE-Segment zu den besten MICE-Regionen Deutschlands gehörte. Und nun: Abgesagte Veranstaltungen, virtuelle Geschäftstermine, hohe Infektionsschutzauflagen, Zurückhaltung der Reisenden – wohl kaum eine Branche leidet so stark wie die MICE-Branche. Viele der Veränderungen werden auch nach der Pandemie Bestand haben. Die Branche braucht daher langfristige Anpassungsstrategien, da viele Unternehmen inzwischen der Meinung sind, dass virtuelle Meetings reale Treffen ersetzen können – zumindest in bestimmten Situationen. So gaben in der Reiseanalyse 2020 rund die Hälfte der Befragten genau dies an. Vor allem für kürzere Absprachetermine wird sich künftig wohl kaum noch jemand stundenlang auf Reise begeben, so glaube ich zumindest.

RK: Heißt? Präsenz war gestern? Und das neue "New Normal" werden DIgitalevents sein?

VL: Präsenzveranstaltungen müssen zukünftig einen Mehrwert bieten! Wer an einer Präsenzveranstaltung teilnimmt und damit mehr Zeit und Geld investiert, will einen deutlichen Mehrwert gegenüber virtuellen Veranstaltungen haben.  Ein entscheidender Vorteil analoger Veranstaltungen sind die Vernetzungsmöglichkeiten. Daher sind neben dem eigentlichen Fachprogramm auch genügend Raum für Austausch aber auch ein attraktives Rahmenprogramm nötig. Hier kommt eine Agentur wie die eure dann zum Zuge.

RK: Welche FOrmate werden aus deiner Sicht weiterhin Bestand haben - ja vielleicht sogar besser funktionieren als vor Corona?

VL: Bei Tagungen und Kongressen werden wir eine differenzierte Entwicklung sehen, denn schon vor der Pandemie hat sich gezeigt, dass die Gesamtzahl der Veranstaltungen zwar zurückgeht, die Zahl der Teilnehmenden jedoch steigt. Dieser Trend wird sich weiter verstärken, insbesondere mit Blick auf Kongresse. Sie werden größer, allein schon dadurch, dass viele Kongresse hybrid durchgeführt werden und zusätzlich zu den präsenten Teilnehmenden auch Menschen vor den Bildschirmen teilnehmen.

RK: Wie blickst du in die Zukunft? Und wer formiert diese aus deiner Sicht?

VL: Ich bin der festen Überzeugung, dass die MICE-Branche wieder auf die Beine kommt. Gefragt sind auf jeden Fall Kreativität und Offenheit für Neues.

Aber auch die Politik ist gefordert. Ganz wichtig ist hier der Austausch zwischen Politik und der Branche. Die Politik muss die Bedürfnisse der Branche kennen, um sie adäquat unterstützen zu können. Hier kommt den Verbänden wie dem Dehoga oder Tourismus NRW die wichtige Aufgabe der Mittler zu. Wir können die Bedürfnisse gebündelt an die Politik herantragen. Und wir werden auch nicht müde, die wirtschaftliche Bedeutung der Branche gerade für Nordrhein-Westfalen immer wieder hervorzuheben.

RK: Lieber Veit. Ganz lieben Dank, dass du dir die Zeit für unser Interview genommen hast und so engagiert für die MICE-Branche einstehst.

NRW Tourismus im Interview